Feldflora-Reservat im Taunus

Geschichte der Landwirtschaft

feldflora-reservat Bevor das Industriezeitalter um 1850 begann, hat die Landwirtschaft eine vielgestaltige Landschaft mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten auch im Taunus geschaffen. Aber wer weiß noch, wie die Menschen auf dem Lande damals lebten, wie sie auf dem Felde arbeiteten, was sie gegessen hatten ? Unsere heutige Landwirtschaft läuft ganz anders ab: Früher Kuh-, Ochsen- oder Pferdegespanne - heute grosse Traktoren; früher Unkrautjäten oder Schädlinge sammeln mit der Hand - heute Spritzen von Herbiziden oder Insektiziden; früher kleine Handtuchäcker - heute grosse, maschinengerechte Schläge. Wir wollen und können nicht zurück in die "gute, alte Zeit", die so gut gar nicht war - es gab Hungersnöte, Krankheiten, harte Arbeit und eintöniges Essen. Aber an einer Stelle, auf dieser kleinen Fläche im Feldflora-Reservat, können wir uns noch anschauen, - welche heute seltenen Kulturen die Bauern im Taunus vor ca. 200 Jahren anbauten - welche Wildkräuter hier früher auf den Äckern standen, die wir heute kaum noch kennen - wie sich bedrohte und selten gewordene Wildkräuter wieder vermehren können. In der fränkischen Zeit (etwa seit dem 8. Jahrhundert) entwickelte sich die bäuerliche Wirtschaftsform der Dreifelderwirtschaft, die den Ackerbau mehr als tausend Jahre prägte. Sie wurde teilweise bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortgeführt. Auch im Herzogtum Nassau war dieser dreijährige Kreislauf von Sommerfeld, Winterfeld und Brache per Anordnung vorgeschrieben. Alle Äcker eines Bauern durchliefen diesen Kreislauf in gleicher Reihenfolge und derart, dass stets je ein Drittel seiner gesamten Feldfläche als Winterfeld, Sommerfeld oder Brache genutzt wurde. Die Einteilung der Äcker war den Bauern im Schlaf geläufig! Dabei wurden viele Kulturarten eingesetzt, die heute im Taunus nur noch selten oder gar nicht mehr angebaut werden. Auf dem frisch gepflügten Brachfeld wurde im Herbst"Winterfrucht" ausgesät. Das war in den höheren Lagen des Taunus vor allem Winterroggen (hier "Korn" genannt) als Hauptbrotfrucht. Daneben wurde (vor allem in den tieferen Lagen auf besseren Böden) auch schon Winterweizen angebaut. Weitere Früchte im Winterfeld waren Dinkel oder Spelz und Winterraps. Der grösste Teil des Sommerfeldes wurde mit Hafer und Lein (Flachs) bestellt. Daneben baute man Sommergerste, Runkelrüben, Hanf, Hirse, Buchweizen ("Heidekorn") sowie Möhren und Kartoffeln an. Umfangreich war im Taunus auch der Anbau von Färberwaid, den man zum Blaufärben von Stoffen nutzte ("Blaues Ländchen"). Das Brachfeld bestand normalerweise aus Schwarzbrache, also gänzlich unbepflanztem Land, auf den das Vieh zur Weide geführt wurde. Wegen der zahlreichen Hungersnöte hat es sich aber in den armen Taunusdörfern später eingebürgert, zwei Drittel des Brachfeldes anders zu nutzen ("Verbesserte Dreifelderwirtschaft"). Dort baute man Klee, Futterwicken, Luzerne (also bodenverbessernde Leguminosen) sowie Kartoffeln, Kohlrabi, Weisskraut, Sommerraps und Weissrüben an. Diese Kulturen wurden stark mit Mist und Gülle gedüngt. Gerade Hausen mit seinen Krautgärten war früher bekannt für den Krautanbau.Daneben wurden in geringeren Mengen angebaut: Weisser Senf, Schlafmohn, Runkelrüben, Erbsen und Linsen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Dreifelderwirtschaft allmählich von der heutigen intensiven Landwirtschaft abgelöst. Dieser Wandel hatte verheerende Folgen für die Ackerwildkräuter, denn ihre Lebensbedingungen wurden durch folgende Faktoren massiv beeinträchtigt: Wegfall der Schwarzbrache Intensivere Bodenbearbeitung (tieferes Pflügen usw.) Verschwinden alter Kulturarten (z.B. Lein, Dinkel) Verbesserung der Saatgutreinigung Aufgabe von schlechten Böden Intensivere Düngung mit Mineraldünger Flächendeckender Einsatz von Pestiziden etwa seit 1960. Deshalb ist der Erhalt alter Kulturarten und der Ackerwildkräuter in einem Feldflora-Reservat sehr wichtig!